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Wie der Filmlook entsteht

Filmlook mit Vollformat-Kameras

Das bewußte Gestalten mit der Schärfentiefe ist ein wesentlicher Bestandteil des “Filmlooks” wie wir ihn aus dem Kino und bei hochwertigen Spielfilmproduktionen kennen. Seit 2008, als die Canon 5D II mit ihrer Videofunktion den Kameramarkt revolutioniert hat, stand zum ersten Mal ein Werkzeug zur Verfügung, diesen Filmlook mit vergleichsweise kostengünstigen Mitteln zu erreichen. Die besten technische Voraussetzungen für die Gestaltung mit geringer Schärfentiefe sind ein großer Bildsensor, am besten im Vollformat, und ein Objektiv mit möglichst hoher Lichtstärke.

In diesem Artikel geht es darum, wie der Einsatz einer Vollformatkamera die Produktion und Gestaltung eines Films beeinflussen kann.

Übersicht:

  1. Die Aufmerksamkeit des Betrachters lenken
  2. Bokeh
  3. Im Alltäglichen das Wunderbare erkennen
  4. Kleine Macken verzeihen
  5. Leicht und kompakt
  6. Mobil und preiswert
  7. Psychologische Nähe
  8. Ungewohnte Sichtweisen
  9. Vintage Look
  10. Einschränkungen
  11. Fazit

 

1. Die Aufmerksamkeit des Betrachters lenken

Je größer der Sensor, je lichtstärker das Objektiv und je länger die Brennweite, um so geringer ist die Schärfentiefe. Die typischen Anwendungsbereiche sind zum Beispiel Testimonials, Videoportraits, Produktpräsentationen, Eventfilme und Mood-Videos aller Art. Immer dann, wenn das Auge des Zuschauer bewusst auf ein Detail gelenkt werden soll, ist dieser gestalterische Aspekt besonders wirkungsvoll. Aus einem alltäglich Bild kann ein besonders Bild werden, das ohne spezielle „Tricks“ auch nicht mal eben mit dem Smartphone entstehen kann. Ein Smartphone verfügt Bauart bedingt weder über einen großen Bildsensor noch über eine ausreichend lichtstarke Optik.

Vergleich Filmlook und Videolook

Vergleich: Filmlook (links) und Videolook (rechts)

 

Portraitaufnahme im Filmlook

geringe Schärfentiefe durch Aufnahme mit Vollformat Video-DSLR und lichtstarkem Objektiv

2. Bokeh

Lichtquellen, Reflektionen und helle Bildbereiche ergeben in der Unschärfe kreisförmige Abbildungen, Bokeh genannt. Das Bokeh unterstützt eine leichte, luftige und verträumt beziehungsweise zauberhaft wirkende Bildsprache und ist ebenfalls ein Element des Filmlooks. Das Bokeh wird durch das Objektiv erzeugt und variiert je nach Bauart.

Bokeh-Wirkung im Alltag Blende: Bürostuhl und Tisch

Aufnahme mit offener Blende: Die Lehne des Stuhls löst sich optisch aus dem unscharfen Umfeld heraus

 

3. Im Alltäglichen das Wunderbare erkennen

Alltägliche Gegenstände und Szenen bekommen eine ganz neue Sichtweise und Dimension. Das alltägliche Büro wird durch die bewusste Reduktion der Schärfentiefe ganz anders und bewusster wahrgenommen. Besonders in Zusammenhang mit Nahaufnahmen entstehen ganz neue Bilderwelten, welche von die Realität entrückt zu sein scheinen.

Bürotür bekommt durch Unschärfe eine nicht alltägliche Bildwirkung

Eine Bürotür bekommt durch die Unschärfe eine nicht alltägliche Bildwirkung

 

Unschärferinge (Bokeh) bei Nahaufnahmen

Unschärferinge (Bokeh) bei Nahaufnahme ermöglichen eine ungewohnte Sichtweise auf das Produkt.

 

4. Kleine Macken verzeihen

Der Bürotisch hat eine Schramme, die weiße Wand ist leicht verschmutzt und der Vorhang hat ein kleines Loch.
 Diese Unzulänglichkeiten kann der Kameramann geschickt in die Unschärfe verlagern und schon ist das Problem gelöst. Gerade bei Totalen oder Halbtotalen, die naturgemäß von hinten bis vorne scharf sind, hilft eine Vollformat-Kamera mit lichtstarkem Objektiv sehr.

Unordnung am Tisch wird geringe Tiegenschärfe zu gestalterischem Bildelement

Unordnung am Tisch und ein “angenagter” Bleistift werden in der Unschärfe zu gestaltungsgebenden Bildelementen

 

Unschärfewirkung in der Halbtotalen

Unschärfewirkung in der Halbtotalen. Fingerabdrücke an den Glasscheiben werden in der Unschärfe unsichtbar.

 

Durch selektive Schärfe wird die Aufmersamkeit auf die Person gelenkt und der Raum tritt in der Hintergrund

Durch selektive Schärfe wird die Aufmersamkeit auf die Person gelenkt. Die Jahreszahl auf dem Kalender ist durch die Unschärfe bewußt unkenntlich gemacht.

5. Leicht und kompakt

Fotokameras sind Bauart bedingt kleiner und leichter als die klassischen Videokameras, zumal sie ursprünglich keinen Ton mit aufzeichnen. Das geringere Gewicht und die kompaktere Bauform bietet neue Einsatzmöglichkeiten. Zum Beispiel die Befestigung in Fahrzeugen oder außen an Fahrzeugen in Bodennähe.

Weitwinkelaufnahme

Kameramontage am Motorrad-Lenker

 

6. Mobil und preiswert

Ob Stativ, Schwenkkopf, Gimbal, Dolly oder Kran: Das Zusatzequipment kann leichter und kompakter und damit auch preiswerter sein.

Der Minidolly kann direkt auf das Kamerastativ montiert werden. Das spart Gewicht und Kosten.

Der Minidolly kann direkt auf das Kamerastativ montiert werden. Das spart Gewicht und Kosten.

Die kompaktere Bauform bedeutet auch eine geringere Ermüdungserscheinungen beim Kameramann, der die Kamera den ganzen Tag trägt.

Veranstaltungsdokumentation

7. Psychologische Nähe

Eine relativ geringe Größe des Kameraequipments hat auch einen wichtigen psychologischen Effekt bei Reportagen und Dokumentationen auf die Personen vor der Kamera. Menschen im Alltag verhalten sich natürlicher, wenn sie nicht in eine Kamera sprechen und nicht merken, dass sie gerade gefilmt werden. Die Aufnahme selbst und das Bewusstsein, gerade aufgenommen zu werden verändert die Aussage sowohl inhaltlich als auch vom Ausdruck her. Bestimmte Dinge möchte man nicht “in der Öffentlichkeit” sagen. Je aufwändiger und größer das Filmequipment, desto „wichtiger“ wirkt das ganze Geschehen auf die Akteure. Der Profi erhält dadurch Wertschätzung, der Laie fühlt sich aber eher erschlagen.

Dialogsituation

Drehsituation “im kleinen Rahmen” schafft mehr Nähe und Vertrauen

8. Ungewohnte Sichtweisen

Vollformat Fotoapparate haben eine nutzbare Sensorfläche von 24x36mm, was dem klassischen Kleinbildformat in der analogen Fotografie entspricht. Für diesen Typ von Fotoapparat sind in den letzten Jahrzehnten einige Spezial-Optiken entwickelt worden, die es für Filmkameras aufgrund der im Verhältnis geringen gebauten Stückzahlen und des Verwendungszwecks nicht geben hat: extrem lichtstarke Objektive mit Blende 1,0 / 0,95, extreme Weitwinkelobjektive, extreme Teleobjektive oder diverse Makroobjektive. All diese Optiken lassen sich mit Hilfe von Adaptern an digitalen Fotoapparaten mit Vollformat-Sensor verwenden ohne Einschränkung der Entfernungseinstellung oder des Bildwinkels.

Ungewohnte Sichtweise durch Super-Weitwinkel mit 170 Grad Bildausschnitt

Ungewohnte Sichtweise durch Super-Weitwinkel mit 170 Grad Bildausschnitt

 

Spiegellinsen-Teleobjektiv

Die Reflektionen im Wasser, die in der Unschärfe liegen, sind ringförmig oder sichelfömig und nicht flächig. Diese ganz besondere Wirkung entsteht durch die Verwendung von Spiegellinsen-Teleobjektiven, die für fotografische Anwendungen entwickelt wurden.

9. Vintage Look

So manche Optik für das Kleinbildformat hat aufgrund ihrer Linsenkonstruktion und ihrer “Bildfehler” einen ganz eigenen Charme, der nicht der klassischen Anforderung nach optimaler Schärfe, hohem Kontrast und verzeichnungsfreier Abbildung entspricht. Gestalterisch lässt sich dieses enorme Potential zum Teil sehr wirkungsvoll und gleichzeitig preisgünstig nutzen.

Gegenlicht-Situation mit Lichtreflexen, die auch als "Bildfehler" bezeichnet werden können

Retro-Look in Gegenlicht-Situation. Geringer Kontrast und Lichtreflexe, die auch als “Bildfehler” bezeichnet werden könnten, werden zum gestalterisches Mittel und sind bildbestimmend für die Gesamtwirkung.

10. Einschränkungen

Schärfentiefe: Der größte Vorteil ist gleichzeitig auch der größte Nachteil – in bestimmten Situationen zumindest. Die geringe Schärfentiefe bringt auch die Notwendigkeit mit sich, Schärfe konstant nachzuziehen, was schon mal sehr schwierig werden kann bei Sportaufnahmen oder im News-Einsatz und wenn “schnelle Bilder” gefragt sind.

Bei einer Gruppenaufnahme von leitenden Angestellten ist es unter Umständen sogar wichtig, alle Personen gleich scharf abzubilden und geringe Schärfentiefe ist unerwünscht. Bei Landschaftsaufnahmen und Architektur-Filmen sind meist Totalen und der umfassende Blickwinkel gefragt. Hier bieten sich der Filmlook eher weniger an.

Festbrennweiten: Die gestalterischen Möglichkeiten von lichtstarken Festbrennweiten gehen zu Lasten des schnellen und einfachen Handlings von Zoomobjektiven. Der Kameramann muss sich vor Drehbeginn ganz bewusst im Klaren darüber sein, ob er Zeit hat, Objektive zu wechseln und im Zweifelsfall ein Motiv zu verpasst, oder ob das nicht möglich ist. Das ist eine grundsätzliche Entscheidung, die auch jeder Fotograf treffen muss.

Tonaufzeichnung: Das Fehlen professioneller XLR-Eingänge und die Tatsache, dass die für viele Mikrofontypen wichtige 48V Phantomspeisung bei einem Fotoapparat nicht zur Verfügung stehen sind eine wichtige Einschränkung, wenn denn Sprache oder qualitativ hochwertiger Ton wichtig ist. Externe Lösungen, für die es inzwischen reichhaltige Angebote gibt, machen das Handling umständlicher, weniger betriebssicher und die Ausrüstung voluminöser und schwerer.

Rolling Shutter: Dieser Verzeichnungseffekt, der bei schnellen Kamerabewegungen oder schnellen durchs Bild sich bewegenden Objekten in Erscheinung tritt liegt an der Charakteristik des verwendeten Sensors in Fotoapparaten. Auch hier muss der Einsatzzweck darüber entscheiden, ob diese Einschränkung ein gravierender Nachteil ist. Bei Sport- und Actionaufnahmen oder Reißschwenks ist das sicher der Fall.

Signalverarbeitung und Kompressionsartefakte: Die Signalverarbeitung und -aufzeichnung in filmenden Fotoapparaten ist nicht ganz auf dem gleichen Qualitätslevel wie dedizierte Filmkameras. Das lässt sich nicht leugnen und ist in Anbetracht der Preisunterschiede für die Hardware und der Baugröße der Kamera auch nachvollziehbar. Die Technik macht gerade in diesem Sektor aber große Fortschritte und die Grenzen werden sich in naher Zukunft immer mehr auflösen.

Aufzeichnungsdauer: Weil nach Deutschland importierte Fotoapparate aus Japan oder Amerika geringen Zollabgaben unterliegen als importierte Videokameras ist die Aufzeichnungdauer von Fotoapparaten auf maximal 29:59 Minuten begrenzt. Für mehrstündige Event-Mitschnitte ganz eindeutig ein Ausschlusskriterium.

● Moirée: Die für Fotozwecke entwickelten Sensoren mit einer hohen Pixeldichte sind besonders anfällig für den Moirée-Effekt. Dieser flimmernde Muster erzeugende Effekt tritt in der Praxis besonders bei feingemusterten Textilien/Stoffen auf, aber auch bei regelmäßigen Strukturen an Hausfassaden, Gittern oder beim Filmen von Computer-Bildschirmen.

● Staub: Jeder Objektivwechsel erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass beim Wechsel sich Staub auf dem Sensor ablagern kann. Eine gewissenhafte Kontrolle ist leider unerlässlich, aber mit einem gezielten Luftstoß aus einem kleinen Blasebalg läßt sich das Staubkorn leicht entfernen. Hartnäckiger sind hingegen kleinste Staubpartikel, die durch Änderungen der Luftfeuchtigkeit im Laufe der Zeit unbemerkt am Sensor kleben bleiben und sich nicht mehr mit Luftdruck entfernen lassen. Einmal pro Jahr ist dann eine Sensorreinigung durch den Kameraservice fällig.

Video-DSLR mit lichtstarkem Tele-Objektiv

Video-DSLR mit lichtstarkem Tele-Objektiv

11. Fazit

Das Arbeiten mit Vollformat-Kameras und Festbrennweiten bedeutet:

  • bewussteres Gestalten
  • Zeit nehmen
  • Selektion der Möglichkeiten
  • Klasse statt Masse

Wenn das schlicht und ergreifend nicht gewünscht oder nicht möglich ist, wenn der Rolling-Shutter-Effekt ein Ausschlusskriterium ist, wer höchsten Standard in der Bildnachbearbeitung erwartet oder möglichst viel Material in möglichst kurzer Zeit abgedreht werden muss, dann ist man mit anderen Kameralösungen besser bedient.

Ich möchte am Schluss nicht vergessen darauf hinzuweisen, dass es auch Kompromisslösungen gibt, wenn geringe Schärfetiefe nicht das Maß aller Dinge ist: Videokameras mit 35mm-Sensor und filmende Fotoapparte im APS-C Format beziehungsweise Micro-Four-Third Format. Mit diesen Kameras ist ähnlicher Filmlook erreichbar wie mit Vollformatkameras, auch wenn die Sensorfläche kleiner ist. Diese Kameras sind vor allem noch kompakter.

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Rahmung von Portraitfotos

Tipps zur Rahmung von Portraitfotos:

 

Mir fällt immer wieder auf, dass ein Foto durch die passende Rahmung eine ganz andere Wertigkeit bekommt. Ein passender Rahmen wirkt wie ein Bild-Booster und ist die Ergänzung zum Foto schlechthin, besonders wenn es sich um ein Geschenk handelt. Ähnlich wie das Gewürz einer Speise die ganz spezielle Note geben kann, so verleiht auch die Rahmung dem Bild das gewisse Etwas.

Aus der unendlichen Vielfalt an Möglichkeiten habe ich ein paar exemplarisch ausgesucht:

Rahmung von Portraitfotos

Rahmung von Portraitfotos

Rahmung von Portraitfotos

Rahmung von Portraitfotos

Rahmung von Portraitfotos

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2k vs 4k: Wann ist ein Dreh in 4k sinnvoll?

5 Gründe, wann sich ein Dreh in 4k Auflösung lohnt

Solange die produzierten Filme „nur“ in HD-Qualität auf der Messe, im Showroom oder auf Youtube gezeigt werden, stellt sich die berechtigte Frage, ob sich ein Dreh in 4k Auflösung überhaupt lohnt. Die Performanceansprüche an die Technik in der Postproduktion und das Handling der höheren Datenmengen sind ein nicht unerheblicher Zeitfaktor.
Auch sind 4k Monitore oder gar 4k Beamer bei der Video-Präsentation eher die Ausnahme als die Regel.
In bestimmten Fällen lohnt sich aber der Mehraufwand für einen Dreh in 4k, selbst wenn er “nur” in Full HD gezeigt wird:

1. Großbildprojektion für Events:

Der Schärfeneindruck eines in 4k gedrehten Films ist signifikant höher als in 2k gedreht, selbst wenn er nur in 2k präsentiert wird. Das Downscaling von 4k Material auf Full HD lohnt sich immer dann, wenn der Film auf einem großen Monitor gezeigt werden kann. Zum Beispiel auf einer Messe. Die Bilder wirken noch realistischer, noch räumlicher und beeindruckender.

2k vs 4k, Schärfevergleich

4k Testaufnahme mit vielen Details

 

2k vs 4k, Schärfevergleich

Der Bildausschnitt zeigt die höhere Schärfe von 4k Material in Vergleich zur gleichen Einstellung in 2k gedreht

Das Aufnahmesujet bestimmt, ob diese Wirkung erreicht wird und überhaupt erwünscht ist:

  • Wenn Produktdetails oder Personen mit offener Blende und geringer Schärfentiefe gedreht werden, kommt das höhere Auslösungsvermögen nicht zum Tragen.
  • Bei Luftaufnahmen, Landschafts- und Architekturthemen, bei weitwinkeligen Aufnahmen generell fällt der höhere Detailreichtum aber sofort ins Auge. Bei einem hohen Anteil an Bilddetails ist der Auflösungsvorteil am stärksten sichtbar.
Aufnahme mit geringer Schärfentiefe

Aufnahmen mit geringer Schärfentiefe profitieren nicht von der höheren 4k Auflösung

 

4k Auflösung Messe

Viele Details im Bild wirken bei 4k Auflösung noch realistischer und plastischer

2. Interview, Testimonial

Das 4k Material bietet 100% mehr Auflösungsreserven für nachträgliche Ausschnittsvergrößerungen (Reframing). Das ist besonders vorteilhaft bei Interviewsituationen. Die Aussagen müssen unter Umständen im Schnitt gekürzt werden oder  aus dramaturgischen Gründen ist ein Ransprung an die Person gewünscht. Die Möglichkeit für Ransprünge erspart unter die zweite Kamera, die für solche Fälle gerne genutzt wird.
Ebenso gewinnt man Produktionszeit beim Dreh, wenn der Protagonist beim Sprechen in die Kamera nicht für eine zweite Ausschnittvariante einen zusätzlichen Take machen muss, um Schnittmaterial in der Postproduktion zu haben. Das ist bei zeitkritischen und nicht wiederholbaren Drehs extrem wertvoll.

3. Chromakeying:

Die wesentlich feinere Auflösung des 4k Formats führt zu deutlich mehr Bildinformationen beim Chromakeying. Größerer Detailreichtum zum Beispiel in Haaren führt zu sichtbar besseren und realistischeren Bildergebnissen. Eigentlich kein Wunder, denn das Ausgangsmaterial ist viermal so groß. Der Mehraufwand in der Postproduktion ist auf jeden Fall gerechtfertigt.
Das folgende Beispiel zeigt vor einer Greenscreen gedrehtes Material in 2k und in 4k im Vergleich:

Von weitem betrachtet ist der Qualitätsunterschied zwischen 2k gedrehtem Material und 4k gedrehtem Material eher gering

Bildausschnitt, der den Qualitätsunterschied deutlich macht: viel mehr Details in den Haarspitzen beim 4k Material

2k vs 4k, Chromakeying

Beim Ausgangsmaterial ist die deutlich höhere Detailauflösung der Haare bei 4k erkennbar. Haare gehören zu den kritischsten Details beim Keying!

4. Gestalterische Freiheit:

Mit 4k Material gewinnt man einen erheblichen Freiraum für die nachträgliche Bestimmung des Bildausschnitts, oder wenn man in der Postproduktion zusätzliche Bildelemente wie zum Beispiel Texte einfügen möchte.

5. Fehlerkorrektur

Aufnahmen mit unbeabsichtigten Vignettierungen durch Filter oder Sonnenblenden, schiefe Horizonte, Monitore, die den Bildausschnitt nicht korrekt anzeigen etc. können in den meisten Fällen durch Ausschnittvergrößerungen gerettet werden. Verwackelte Freihandaufnahmen lassen sich durch nachträgliche softwarebasierte Bildstabilisierung „beruhigen“. Das geht immer auf Kosten des Bildausschnitts, und 4k Ausgangsmaterial ist hier klar im Vorteil. Das gilt auch für Architekturaufnahmen mit Bildverzerrungen, wie sie durch Ultra-Weitwinkelobjektive verursacht werden. In der Postproduktion lassen sich solche Verzerrungen entfernen und auch stürzende Linien von Gebäuden können korrigiert werden.

2k vs 4k, Reframing, Korrektur, Verzerrung

Original Zeitrafferaufnahme eines Messestands, erstellt mit einer Gopro Kamera. Man erkennt deutlich die tonnenförmige Verzerrung am Bildrand.

 

2k vs 4k, Verzerrung, reframing

16:9 Bildausschnitt mit Korrektur der optischen Verzerrung

Fazit:

Wer sich mal an die 4k Auflösung gewöhnt hat kommt eigentlich nicht mehr davon los. Selbst wenn das Ausgabeformat nur Full HD ist, sind Drehs für Großbildpräsentationen auf Messen, bei Landschafts- und Architekturaufnahmen, extrem sinnvoll. Besonders beim Chromakeying ist der Mehraufwand in der Nachbearbeitung in jedem Fall gerechtfertigt. Ich würde keinen Greenscreen-Dreh mehr in 2k machen, wenn es irgendwie möglich ist.

Für Pixel Peeper:

Die Begriffe 4k und 2k sind von mir als Sammelbegriff vereinfacht verwendet.
4k bedeutet eine Auflösung von 4096 x 2160 Pixel (Cinema-4k) oder 3840 x 2160 Pixel (Ultra High Definition)
2k bedeutet 2048 x 1080 Px (Digital Cinema Initiatives) oder 1920 x 1080 Px (Full High Definition)

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Worauf kommt es beim Event Filmen an?

Worauf es bei Eventfilmen ankommt.

Eventdoku, Veranstaltungsdokumentation, Kameramann, Videoschnitt

Den Begriff der Veranstaltungsdokumentationen kann man grundsätzlich verstehen als das Festhalten des zeitlichen Ablaufs eines Ereignisses auf Video.
Im einfachsten Fall bedeutet das: Mitschnitt mit einer Kamera von einem festen Standpunkt und gutem Blick auf die Szene. Bei Vorträgen, Reden und Bühnenshows kann das ganz prima funktionieren, wenn man rein die Inhalte dokumentieren möchte.

Wie aber war die Reaktion des Publikums? Welche Stimmung herrschte vor Ort? Habe ich als Ausrichter der Veranstaltung das Publikum begeistern, inspirieren oder zu Diskussionen anregen können? War die Veranstaltung ein Erfolg? Um die Gesamtheit der Wirkung einer Veranstaltung zu dokumentieren reicht es nicht, eine Kamera fest aufzubauen und darauf zu achten, dass alles gut zu sehen ist. Es geht vielmehr darum, die wesentlichen Aktionen und wichtigsten Worte zu erfassen und gleichzeitig auch die Reaktionen des Publikum einzufangen und die Gesamtstimmung aus Erlebnis, Raum, Licht und Ton zu vermitteln.

Darauf kommt es mir bei Eventfilmen an:

  1. Der richtige Moment
  2. Der fotografische Blick
  3. Die hochwertige Tonqualität
  4. Das vorhandene Licht nutzen
  5. Die passende Technik
  6. Die Postproduktion

 

 

1. Der richtige Moment

Mir ist es wichtig, als Kameramann die Atmosphäre vor Ort im richtigen Moment einzufangen. Das Gefühl einer gelungenen Veranstaltung entsteht durch die besonderen Momente, die jeder einzelne etwas anders empfindet. Ein einziges Wort in einer Rede kann mehr Bedeutung haben als ein langer Text. Welcher Moment für den Film später mal der richtige sein wird, ist während der Dreharbeiten meist nicht abzusehen. Deshalb entsteht in der Regel sehr viel Material, das später beim Videoschnitt ausgewertet werden muss.
Neben dem Wissen über den Ablauf einer Veranstaltung verlasse ich mich vor allem auf mein Gespür und die langjährige Erfahrung, welche Aktion als nächstes kommen könnte, um im richtigen Moment mit der Kamera dort zu sein. Vorausschauendes Handeln und schnelle Reaktion auf Ereignisse sind wichtige Voraussetzungen, um den richtigen Moment einzufangen.

Eventdoku, Veranstaltungsdokumentation von Poll Immobilien Immoclubbing

2. Der fotografische Blick

Der forografische Blick dafür, wie der Moment im Bild am besten eingefangen werden kann ist ein weiterer wichtiger Baustein für die Wirkung einer Veranstaltungsdokumentation. Weil ich die Filme meistens auch selbst schneide, weiß ich, welche Einstellungen für gelungene Szenenübergänge gebraucht werden, wann Naheinstellungen wichtig sind und wann Totalen.

Eventdoku, Veranstaltungsdokumentation ,KD Navien_ISH Messe Frankfurt

Auch Bildausschnitt und Perspektive müssen in Hinblick auf den Schnitt mit Bedacht gewählt werden.

3. Die hochwertige Tonqualität

Die stimmige Kombination aus bewegtem Bild mit Tönen, Worten, Geräuschen und Musik im Hintergrund wirkt sehr viel stärker als nur das Bild alleine. Sprache, Geräusche und Musik erweitern die Wirkung des Bildes und geben ihm eine zusätzliche Richtung, werden im Videobereich aber oft vernachlässigt. Deswegen achte ich nicht nur auf eine gute Bildwirkung, sondern auch auf einen qualitativ hochwertigen Ton bei der Aufnahme und der Abmischung.

 

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4. Das vorhandene Licht nutzen

Die Lichtstimmung am Ort der Veranstaltung macht einen Großteil der Atmosphäre aus. Für mich als Kameramann gilt es, die Lichtstimmung optimal zu nutzen. Dunkle Wolken, Regen und Schnee sind in den meisten Fällen keine idealen Rahmenbedingungen für Veranstaltungen, können aber filmisch sehr reizvoll sein.

Eventdoku, Veranstaltungsdokumentation KD Navien_ISH Messe Frankfurt

Ein blauer Himmel mit viel Sonnenschein gilt im Allgemeinen als gute Voraussetzung für einen gelungenen Outdoor-Event. Für die Kamera bedeutet direktes Sonnenlicht aber auch harte Kontraste. Zumindest bei Portraitaufnahmen kann ich die Schatten mit zusätzlichem Licht aufhellen oder den Kamerastandpunkt und die Belichtung so wählen, dass unschöne Schatten vermieden werden und vorhandenes Licht optimal zur Wirkung kommt.

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Bei Abendveranstaltungen nutze ich gerne die vorhandene Lichtstimmung, arbeite aber bei Bedarf auch mit einem dezenten Aufhelllicht an der Kamera, um Gesichtern mehr Zeichnung zu geben.

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5. Die passende Technik

Kamera- und Tontechnik sollten sich den Anforderungen der Aufgabenstellung anpassen und nicht umgekehrt. So wie ein Rennrad, ein Mountainbike und ein Einrad ganz unterschiedliche Qualitäten haben, so ist auch nicht jeder Kameratyp für jede Aufgabe geeignet. Bei Abendveranstaltungen ist eine gute Low-Light-Empfindlichkeit gefragt, bei Outdoor-Events muss die Kamera auch mal Regen vertragen können.

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Ich nutze eine an die Situation angepasste Kameratechnik, die einerseits schnell und vielseitig genug ist, um den unterschiedlichen Aufgabenstellung während einer Veranstaltung gerecht zu werden, andererseits auch kompakt und leicht, um die notwendige Mobilität zu gewährleisten. Wann immer möglich nutze ich Kameras mit 35mm-Sensor oder Vollformat, um mit der Schärfe gestalterisch arbeiten zu können (siehe auch diesen Artikel).

Aufnahmen vom klassischen Stativ oder aus der Hand bzw. der Schulter ergänze ich gerne mit kleinen Dolly- und Kranfahrten. Besonders interessant ist dies bei Produktpräsentationen auf Messen, weil solche Aufnahmen eine hohe Produktwertigkeit unterstreichen.

Eventdoku, Veranstaltungsdokumentation KD Navien ISH Messe Frankfurt

6. Die Postproduktion

Nach dem Dreh beginnt die Materialsichtung und die Strukturierung des gesammelten Bildmaterials. Die besten Momente und aussagekräftigsten Bilder werden selektiert, Musik und O-Töne auf das Material abgestimmt.
Bei den meisten Veranstaltungsdokumentationen mache ich auch den Schnitt. Der Kunde bekommt dann von mir eine erste Schnittvariante inklusive Tonmischung. Danach besteht immer die Möglichkeit einer Korrektur des Schnitts, um eventuell ungewollte Szenen oder Personen rauszuschneiden.

Veranstaltungsdokumentation Frankfurt Skyliners Gala "Basketball macht Schule"
Anschließend werden alle Szenen farbkorrigiert und aufeinander angepasst. Das erfordert viel Zeit, ist aus meiner Sicht aber unerlässlich, um eine professionelle Wirkung zu erzielen und sich von „mal schnell drauf gehalten“ zu differenzieren.

Die passende Musik zum Bild ist ebenfalls ganz essentiell, um die Gesamtwirkung stimmungsvoll zu präsentieren. Das wird oft unterschätz oder schlichtweg vergessen. All das kann eine Veranstaltungsdokumentation zu einem nachhaltigen Erlebnis machen.

Bei jeder Veranstaltungsdokumentationbin ich als Kameramann auf der Jagd nach den richtigen Momenten und großen Eindrücken.

In der Rubrik „Portfolio“ > „Videodokus“ finden Sie eine Auswahl von meinen Veranstaltungdokumentationen.

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Ist GEMA-freie Musik kostenlos?

Ist GEMA-freie Musik kostenlos?

Justizia

Die Themen Musik-Nutzungsrechte und GEMA werfen immer wieder Fragen auf, die ich nach bestem Wissen und Gewissen beantworten möchte.
Die nachfolgenden Informationen stellen jedoch keine Rechtsberatung dar, sie geben lediglich einen praxisnahen Einblick in das Themengebiet. Bei konkreten Fragen sollte immer ein fachkundiger Rechtsanwalt konsultiert werden.

Film + Musik = ein neues Werk

Wenn ich für mein Filmprojekt eine Musik verwende entsteht im juristischen Sinne eine Werksverbindung, das heißt, das gedrehte und geschnittene Filmmaterial wird mit einem vorhandenen Musikstück kombiniert und erhält dadurch eine neue Aussage: es entsteht ein neues Werk.

An diesem Werk haben alle Beteiligten Rechte, die zum Gelingen dieses Werkes in besonderem Maße beigetragen haben: Darsteller, Texter, Sprecher, Grafiker, Autor, Kameramann, Videoeditor, Produktionsfirma und so weiter.

Im Falle der Musik ist das in erster Linie der Autor/Komponist, aber auch die Texter, Sänger, Musiker und Tonmeister haben Leistungsschutzrechte.

Was bedeutet GEMA-frei?

Die GEMA ist eine in Deutschland tätige Interessenvertretung für Musikschaffende. Die GEMA nimmt treuhändisch für ihre angeschlossenen Mitglieder die Interessen in Hinblick auf die mechanische Vervielfältigung und die Aufführung der Werke war. Ob man sich als Komponist der GEMA anschließt ist eine frei Entscheidung. Je erfolgreicher und bekannter der Autor ist, desto sinnvoller ist für ihn die Mitgliedschaft in der GEMA.
Wenn der Autor/Komponist Mitglied der GEMA ist, dann sind auch GEMA-Gebühren fällig.
Die Verwendung von GEMA-freier Musik bedeutet nur, dass keine Gebühren für die Aufführung und Vervielfältigung zu entrichten sind, weil alle am Werk Beteiligten nicht Mitglied der GEMA sind.

Wenn aber GEMA-pflichtige Musik verwendet werden soll, wie hoch sind dann die GEMA-Gebühren?
Für den klassischen Produkt- oder Imagefilm ist bei GEMA der Tarif T-W-AV meist der richtige. Je angefangene Musikminute sind 37,50 Euro fällig für die Vervielfältigung und weitere 37,50 für die öffentliche Zugänglichmachung im Internet (zzgl 7% Umsatzsteuer).

Über diese Rechte hinaus gibt es aber noch weitere Rechte, die abgeklärt werden müssen. Das wichtigste ist das Nutzungsrecht.

Vorsicht! Musik-Nutzungsrecht!

Die Intension eines Komponisten / Sängers / Musiker bei der Schaffung eines Werkes ist in den meisten Fällen ein künstlerischer Ausdruck seiner Gedanken und Ideen.
Als Queen das Werk “We will rock you” veröffentlicht hatte, war es nicht die Absicht, dass es auch mal für einen OBI-Werbespot verwendet werden könnte.
Wenn eine Werbetreibender durch das Musikstück von Queen Geld verdienen will, dann ist es auch verständlich, dass der Autor  sein Einverständnis zu dieser Idee gibt und davon auch finanziell profitiert.  Es ist nicht in jedem Fall anzunehmen, dass ein Musiker begeistert ist von der Idee, dass seine Musik in Verbindung mit einem Unternehmen, einem Produkt oder einer Partei/Verein gebracht wird.
Grundsätzlich liegt es immer in der Entscheidungsgewalt des Autors, ob seine Musik in Zusammenhang mit einem kommerziellen Interesse gebracht werden soll und darf.
Das Recht, ein Musikstück nutzen zu dürfen, kann nur der Autor beziehungsweise der Inhaber der Nutzungsrechte geben. Die GEMA nimmt diese Interessen nicht war!
Nutzungslizenzen sind in der Regel zeitlich, räumlich und auf bestimmte Medien befristet und sind in den meisten Fällen beim Musikverlag einzuholen, der die Rechte in dieser Angelegenheit aller am Werk Beteiligten vertritt.

Weiterhin muss geklärt werden, ob das Werk auch bearbeitet, gekürzt, verlängert oder geändert werden darf. Dieses Recht ist keineswegs selbstverständlich, weil eine Bearbeitung den Charakter des Werkes erheblich verändern kann.

 

Die Nutzung GEMA-freier Musik ist nicht kostenlos!

 

Nicht relevant: das Urheberrecht

Das Urheberrecht liegt beim Autor/Komponist und ist nicht übertragbar!. Für die kommerzielle Nutzung in Filmprojekten ist der Erwerb des Urheberrechts irrelevant. Niemand möchte behaupten oder eine Nutzen daraus ziehen, dass er der Urheber des Werkes ist. Der Auftraggeber eines Filmprojektes ist primär an der Wirkung und Stimmung oder auch der Popularität für seinen Film interessiert. Die Einräumung des Nutzungsrechtes ist der wesentliche erste Schritt bei der kommerziellen Verwendung von Musik.

Das Urheberrecht geht im Falle des Todes des Autors auf dessen Rechtsnachfolger über und erlischt nach 70 Jahren. Für Puccinis “Nessun Dorma” in der Aufführung von Luciano Pavarotti brauche ich keine Nutzungsrechte beim Komponist einzuholen, wohl aber vom Interessenvertreter der Ausführenden: dem Musikverlag

Tipp: Produktionsmusik

 

Produktionsmusik

Um dem Bedarf in der Filmproduktion gerecht zu werden und Rechtssicherheit bei der Verwendung von Musik zu gewährleisten, bieten spezialisierte Verlage Produktionsmusik beziehungsweise Archivmusik an. Dort kann man Lizenzen erwerben, die von der Nutzungsart und der Länge der verwendeten Musik abhängig ist. Die Preisberechnungsmodell sind je nach Verlag sehr unterschiedlich und entwickeln sich immer weiter, weil die Marktbedürfnisse sich geändert haben.

Manche Verlage bieten auch gemafreie Produktionsmusik an. Die Auswahl an Musikstücken ist aber geringer, weil viele Musiker die Vorteile der GEMA für sich erkannt haben. Andererseits ist die Nachfrage nach gemafreier Produktionsmusik stark steigend, weil die Lizensierungsvoraussetzungen immer unüberschaubarer werden.
Die “Haltbarkeit” von Videos wird immer kürzer und der Einsatzzweck immer weniger vorhersehbar.

Die Bereitschaft, Geld auszugeben für Musik, die ohnehin nur im Hintergrund des Videos läuft, nur einmal eingesetzt wird und deren Verbreitung eventuell gar nicht kontrollierbar ist,  ist nicht sonderlich groß. In dem Dilemma von moralischen Prinzipien, der Achtung vor dem Künstler, dem Wert der Musik und dem Produktionsbudget steht jeder Nutzer.

Eine Auswahl von Anbietern, mit denen ich gelegentlich zusammenarbeite:

https://www.proudmusiclibrary.com/de/home/
http://dna-musik.com/company/
http://www.soundtaxi.net/
https://audiojungle.net/
https://www.sonoton.de/

Mein Film auf Youtube

Das Kopieren von Musik für rein private Zwecke ist rechtlich unbedenklich. Das Hochladen von Filmen auf die Youtube-Plattform dient zur Veröffentlichung und ist deshalb nicht privat. In der Unternehmenskommunikation ist daher wichtig, über die notwendigen Rechte für Bild und Ton zu verfügen, weil der Zweck nicht privat ist. Das gilt für jede Art der öffentlichen Zugänglichmachung im Internet und ist nicht bei Youtube gesondert geregelt.

Youtube-Sperre
In dem seit 21010 andauernden Rechtsstreit zwischen Youtube und der GEMA geht es unter anderem um unterschiedlich Auffassungen, wer für den Inhalt der Videos verantwortlich ist. Die GEMA sieht den Streamingdienst als Sender (Content-Provider) und fordert eine Vergütung für ausgestrahlte Musik aus GEMA-Repertoire. Youtube sieht sich hingegen lediglich als Hosting-Platform und damit für die Inhalte der User nicht zuständig.
Wer GEMA-pflichtigen Inhalt für sein Filmprojekt verwendet und dieses auch entsprechend anmeldet, hat keine Beeinträchtigungen aus diesem Rechtsstreit zu befürchten.

Fazit:

Wenn Sie im Internet lesen “Musik GEMA-frei und kostenlos downloaden”, dann bedeutet es nicht, dass die Musik kostenfrei verwendet werden darf, jedenfalls nicht für die kommerzielle Nutzung! Nur der Download an sich ist kostenlos.

 

Update November 2016:

Youtube und die GEMA haben zum 1.11.2016 einen vorübergehenden Kompromiss geschlossen. Youtube zahlt an die durch die GEMA vertretenen Künstler einen prozentualen Beitrag an Erlösen, die durch Werbung erzielt wurde.  Beide Parteien konnten ihre Rechtsauffassungen aber nicht vollständig durchsetzen. Für den User bedeutet es aber zunächst, dass die Sperrtafel verschwunden ist, und das ist gut so. Die Einigung gilt allerdings nur bis April 2019.

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Storytelling

Storytelling und die Beurteilung von Konzepten

Am Anfang einer Filmproduktion steht die Idee. Welche Idee aber ist die beste und wirkungsvollste?
In diesem Artikel geht es nicht um einen Leitfaden für die Entwicklung einer Idee, sondern um Storytelling und die Beurteilung von Konzepten.

Konzeptionsphase

Content Creation und Storytelling sind die Buzzwords schlechthin im Marketing. Sie gelten als Zauberformel für eine erfolgreiche Kommunikationsstrategie und damit auch für Filmkonzepte.
Content zu produzieren, der für den Zuschauer relevant sind wird von allen Seiten empfohlen.
Schluss mit simplen marktschreierischen Werbebotschaften, keine glänzenden Imagefilme mehr. Authentizität ist gefragt.

Storytelling

Storytelling ist nicht wirklich was Neues und auch kein Erfolgsgarant für gelungene Filme!

Denken wir uns zurück in eine Zeit, in der es noch keine Massenkommunikation im heutigen sinne gab: man saß in einer Gruppe am Lagerfeuer oder beim Essen am Tisch, und demjenigen, der eine interessante Geschichte erzählen konnte, dem hat man zugehört. Genau das ist Storytelling: eine Geschichte erzählen.

Das kann eine authentische Geschichte sein, die zum Nachdenken anregt, betroffen macht oder einfach nur informativ ist. Oder die Geschichte ist fiktiv, unterhaltend, humorvoll, inspirierend.

Beide Ansätze, der informative und der unterhaltende sind bis heute gültig und schließen sich gegenseitig nicht aus. Gut gemachte Stories können durchaus humorvoll und informativ erzählt sein.

Der Leitsatz „Menschen interessieren sich für Menschen“ war schon immer eine gute Ausgangsbasis für eine Geschichte und ist es auch heute noch. Das ist auch der Grund, warum Testimonials in der Werbung schon seit vielen Jahren erfolgreich funktionieren und kein kurzfristiger Trend sind.

Alleine die Tatsache allein, in einem Film eine Geschichte zu erzählen, ist im Marketing ein guter Ansatz, aber keine Garantie für Erfolg.

Die größte Gefahr beim Storytelling ist die Austauschbarkeit. Ein gute Geschichte kann den Zuschauer total in den Bann ziehen und die volle Aufmerksamkeit generieren. Aber genau dieser Benefit ist auch das größte Problem. Am Ende bleibt die Frage: Wofür war das nochmal? Von wem war das Video? Um welches Produkt ging es eigentlich? Dazu ein Beispiel:

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Dieser TV-Spot hat 2004 den Golden Löwen beim Werbefilmfestival in Cannes gewonnen und ist ein sehr emotional erzählte Geschichte, die völlig ohne Worte auskommt. Aber die Verbindung zur Marke ist nicht sehr stark. Es hätte auch um Kondome gehen können, einen Supermarkt, oder Socken oder oder…

Ein Beispiel für eine gelungene Umsetzung einer Story mit einem Produktversprechen ist ein TV-Spot von der Telekom:

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Die Geschichte ist nicht neu, vielmehr ein “Zitat” und wurde in den 1990er Jahren schon mal fast genau so von Mercedes erzählt. In beiden Fällen ist die Verankerung mit dem Markennamen und dem Produktversprechen aber sehr stark, die Story zeitlos:

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Bei der Beurteilung von Konzept für Filme in der Marketingkommunikation möchte ich auf einen Leitfaden hinweisen, den Albert Heiser in seinem Buch „Bleiben Sie dran“ 2001 vorgestellt hat und in seinen Grundzügen noch heute gültig ist.

Beurteilungskriterien für Konzepte

1. kommunikative Treffgenauigkeit
„Das erste Kriterium ist: inwiefern bringt das Skript die Kommunikationsinhalte des Briefings auf den Punkt? Damit ist die kommunikative Treffgenauigkeit des Konzepts gemeint, und die Frage, ob den Kommunikationsinhalten die richtige Gewichtung im Film zukommt. Basis der Diskussion ist, ob die Solldaten des Kreativ-Briefings im Rahmen der Filmidee umgesetzt worden sind.“

2. Verständlichkeit der Idee
„Das zweite Kriterium ist die Verständlichkeit der Idee. Ohne Beispiele nennen zu wollen (bei aufmerksamer Betrachtung finden Sie diese selbst), wirken viele Spots im deutschen Werbefernsehen auf mich rätselhaft. Ihr tiefer Sinn erschließt sich nicht. Ihre Struktur stimmt nicht, sie sind wenig anschaulich oder setzen Gedankensprünge voraus, die nur der Autor versteht. Leider hört man allzu oft, dass dies Absicht sei, weil man möchte, dass der Rezipient über den Spot hinaus darüber nachdenkt, aber wer tut das außer den Werbern selbst, weil diese sich dafür interessieren? (…)“

Ein Beispiel, bei dem sich mir die Idee und die Art des Humors nicht erschließt:

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3. Aufmerksamkeit
„Das dritte Kriterium ist die Aufmerksamkeit. Ist die Idee einzigartig, weicht sie von der Norm ab, hat sie Relevanz für die Zielgruppe, und bringt sie eine Aussage so vor, wie es bisher kein anderer getan hat? Kann man diese Frage mit Ja beantworten, spricht das für den Film. Allzu leicht sagen Entscheider, dass es eine Idee schon gibt, nur weil sie ein Detail eines Spots wieder erkennen. Aber nur weil es schon einmal einen Film mit Affen gab, heißt das nicht, dass die aktuelle „Affenidee“ dasselbe ist. (…)“

Ein sehr aufmerksamkeitsstarker Anfang, allerdings ein merkwürdigen Wendung am Ende:

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4. Akzeptanz
„Ein weiteres Kriterium ist die Akzeptanz der Idee bei der Zielgruppe. Ist die Idee glaubwürdig? Wenn die Zielgruppe die Argumentation und die Dramaturgie des Spots nicht nachvollziehen kann, fällt er durch. (…) Ein Waschmittel löst keine Eheprobleme, eine Schokolade macht junge Leute nicht glücklicher, ein Kaffee schmeckt nicht deshalb besser, weil er auf einer Luxusyacht getrunken wird, und ein Auto ist nicht mit einer Raumstation vergleichbar. Im Unterschied zum dramaturgischen Muster der Lüge handelt es sich hierbei um Behauptungen, die inhaltlich nicht haltbar sind. In der Ernsthaftigkeit dieser Vergleiche und Inhalte liegt die Unglaubwürdigkeit. Ursache dieser fatalen Fehler ist die Selbstüberschätzung von Unternehmen. Ein Produkt darf sich nur so wichtig nehmen, wie es der Verbraucher ernst nimmt. Dort, wo dramaturgische Muster mit inhaltlichen Aussagen verwechselt werden, sind Fehler in der Entscheidung über Ideen vorprogrammiert.“

Ein Testimonial mit mangelhafter Authentizität und Akzeptanz:

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5. Lernwirkung
„Fünftes Kriterium ist die Lernwirkung. Ausgehend von dem Gedanken, dass Kommunikation lernen ist, muss man sich die Frage stellen, was am Ende des Spots hängen bleibt und was der Rezipient gelernt haben soll. Sind die entscheidenden Aussagen lernfähig und wirksam dargestellt?“

Hier fehlt mir ein starker Link zur Marke. Den muss man im Abspanntext suchen!

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6. kreatives Potential
„Und last but not least muss die Frage nach den kreativen Potential des Films gestellt werden. Damit ist die Eigenständigkeit der Idee an sich gemeint. Beschreitet der Film einen Weg, der in seinem Stil und der Ansprache zeitgemäß und richtungweisend ist?“

Eine unter kreativen Aspekten sehr ungewöhnliche und eigenständige Sichtweise, sehr aufmerksamkeitsstark auch, allerdings ist die visuelle Umsetzung der Idee “Illusion” sehr weit von der eigentlichen Produktaussage “unglaublich wenig Benzinverbrauch” entfernt:

https://www.youtube.com/watch?v=7PGXZ-oc2-g

Alle Zitate aus ≫Bleiben Sie dran!≪ von Albert Heiser

Erfolgsfaktoren

Bei der Analyse von erfolgreichen kreativen TV-Kampagnen kann man folgende Parameter als Erfolgsfaktoren feststellt:

• Auslösen von Emotionen
• Originalität und Überraschung
• unkonventionelle Synthese von Ideen
• visuelle künstlerische Ausarbeitung

Mit Blick auf Filme für Social Media Plattformen lässt sich ergänzen:

• in den ersten 5 Sekunden muss ein Bezug zum Zuschauer aufgebaut werden, damit dieser weiter schaut
• möglichst Nutzer animieren, den Film mit anderen zu teilen

Zusammenfassung

Als übergeordnetes Kriterium lässt sich feststellen, dass erfolgreiche Marketing-Kommunikation es auf intelligente Weise geschafft hat, beim Rezipient ein ganz individuelles kleines Glücksgefühl auszulösen. Die Bedürfnisse, die befriedigt werden müssen, sind sehr individuell, situativ und zeitlich unterschiedlich. Jeder Mensch möchte zu anderen Menschen dazugehören, ernst genommen und respektiert werden.

Der Leitsatz “Menschen interessieren sich für Menschen” ist ein guter Ausgabgspunkt für eine Geschichte. Die Story muss für den Zuschauer relevant sein und die Machart Vertrauen erwecken. Alles, was nach dumpfem Werbeversprechen daher kommt, betrachtet der Zuschauer als nervig. Aber auch Überraschung und Humor sind angesagt und müssen nicht im Widerspruch zu seriösen Produktaussagen stehen. In diesem Spannungsfeld der individuellen Bedürfnisse steht auch die Konzeption von Werbefilmen. Es gibt schlussendlich nicht ein einziges Erfolgsrezept.

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Wie trete ich vor die Kamera?

Wenn Sie als Laie vor der Kamera stehen und eine Statement abgeben, fragen Sie sich sicherlich, wie Sie die optimale Wirkung erzielen können. Genaue genommen ist es ein ganzes Bündel an Fragen:

1. Was sage ich bloß?
2. Bin ich richtig angezogen?
3. Wie wirke ich auf andere?
4. Soll ich im Stehen oder Sitzen sprechen?
5. Wohin mit den Händen?
6. Soll ich direkt in die Kamera schauen?

Bei der Beantwortung dieser dringenden Fragen kommt es auf die Absicht und die Umstände an.
Nehmen wir an, Sie sind ihr eigener Chef und werben um potentielle Neukunden oder Sie vertreten Ihre Abteilung und kämpfen um die Durchsetzung Ihrer Vorstellungen und Ziele.

 

1. Was sage ich bloß?

Fassen Sie sich kurz, auch wenn die Welt kompliziert ist und nicht nur schwarz und weiß. Überlegen Sie, wie Sie den Kern ihres Leistungsversprechens oder Ihres Anliegens in einem Satz zusammenfassen könnten und gleichzeitig das Interesse an weiteren Informationen wecken. Stellen Sie sich vor, Sie begegnen einer interessanten Person an einer roten Ampel und sprechen sie an. Wenn die Ampel auf grün springt gehört das Ohr Ihres Nachbarn für die Dauer des Weges über die Kreuzung noch Ihnen. Danach wird sich entscheiden, ob sie sich zum Kaffeetrinken nochmal wieder sehen wollen.
Beim Kennenlernen im Internet ist es noch extremer: Die ersten 3 bis 7 Sekunden entscheiden darüber, ob der Zuschauer das Video weiter sieht oder abbricht.

Eine gute Möglichkeit, Interesse zu wecken und die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu gewinnen ist, ein Versprechen zu geben oder eine  These aufzustellen und dann im Laufe des Filmbeitrags die passende Auflösung dazu zu geben.

Versetzen Sie sich in die Lage des Zuschauers: was interessiert ihn, was ist für ihn relevant? Betrachten Sie ihr eigenes Leistungsangebot aus der Sicht des Kunden.

starkes Intro

Machen Sie den Zuschauer gleich zu Beginn des Films neugierig!

 

2. Bin ich richtig angezogen?

Ihre Kleidung, Ihre Frisur und eventuell auch Ihr Make-up geben auf jeden Fall einen ersten Orientierungspunkt. Jeder Mensch hat im Laufe seines Lebens bestimmt Erfahrung gesammelt, die in Zusammenhang mit dem äußeren Erscheinungsbild einer fremden Person stehen. Diese Erfahrung, man könnte sie auch Vorurteile nennen, sind kulturell geprägt und durch eigene Betrachtungen im Laufe des Lebens ergänzt. Seien Sie sich dessen bewusst, dass winzige Details eine große Rolle spielen können. Besonders Männer neigen dazu, diese zu ignorieren. Ein Piercing, ein Tattoto, eine bunte Strähne, das Muster der Krawatte, die Anzugsfarbe, die Schnalle des Gürtels oder die Form der Nase können darüber entscheiden, ob ein Mensch sympathisch oder weniger sympathisch eingestuft wird.
Wenn Sie bei einer Bank oder Versicherung arbeiten, werden Sie wahrscheinlich Vertrauen, Kompetenz und Seriosität ausstrahlen wollen. Wenn Sie das wollen, müssen Sie auch die Klischees bedienen. Das gebügelte Hemd wirkt seriöser als das ungebügelte, der dunkle Anzug seriöser als der helle.  Welche Kleidung in Ihrem Umfeld angemessen ist, wissen Sie sicherlich am besten. Ich empfehlen Ihnen sich so zu kleiden, wie sie sich bei ganz normalen Kundenterminen auch kleiden würden, nur ein ganz klein bisschen formeller. Bedenken Sie weiterhin, das die Kleidung auch ein wesentliches Merkmal der Rangordnung ist. Wenn Ihre Worte darauf abzielen, Vertrauen aufzubauen und zu überzeugen, dann sollt die Kleidung nicht „von oben herab“ kommunizieren. Ihr äußeres Erscheinungsbild ist für die optimale Wirkung Ihres Statements vor der Kamera also sehr wichtig.

Formaler Auftritt beim Statements vor der Kamera

Ein Anzug mit Krawatte wirkt förmlich.

Als Faustregel läßt sich im Zweifelsfall sagen: Ein klein bisschen förmlicher als üblich.

offene Haltung des Oberkörpers optimiert die Wirkung Ihres Statements vor der Kamera

Jacket ohne Krawatte, sowie offenes Hemd mit leichtem Farbton wirken legerer.

Bleiben Sie authentisch und versuchen Sie nicht, vor der Kamera in eine Rolle zu schlüpfen, die sie im realen Leben nicht ausfüllen können.

3. Wie ist meine Wirkung auf andere?

Die Gesamtheit der Wirkung entsteht mehr durch das Wie als durch das Was. Wie sie sprechen, wie sie sich bewegen und was sie ausstrahlen ist fast wichtiger als was Sie sagen. Für die optimale Wirkung Ihres Statements vor der Kamera heißt das nicht, dass Sie sich um die Inhalte keine Sorgen machen brauchen, sondern das bedeutet, dass Sie durch Ihr Auftreten die Inhalte enorm aufwerten können. Ein ganz besonderes Gewicht kommt dabei der Sprache zu. Der Klang ihrer Stimme, die Sprechgeschwindigkeit, Rhythmus, Lautstärke, Betonungen und einige Faktoren mehr tragen ganz wesentlich zum Gesamteindruck bei. Denken Sie an die Wirkung von James Bond. Nicht was er sagt macht ihn so charakteristisch, sondern wie.

Sie bekommen mit dem Medium Video Wirkungsmöglichkeiten des Ausdrucks, die Sie mit geschriebenem Text auf der Internetseite oder einem Porträtbild niemals erreichen können.

4. Soll ich im Stehen oder Sitzen sprechen?

Wenn Sie sich selber oder Ihr Unternehmen präsentieren wollen, empfehle ich Ihnen, das im Stehen zu tun. Sie wirken präsenter und aufrechter im wahrsten Sinne des Wortes. Ihre Stimme ist klarer und freier, sie bekommen besser Luft. Wenn der Präsident ein Bericht zur Lage der Nation abgibt wird er dabei selbstverständlich stehen. Ein Chor würde niemals im Sitzen singen! Seien Sie dabei lebendig aber nicht nervös und unruhig. Eine Gradwanderung, um die Wirkung Ihres Statements vor der Kamera zu verbessern.

passive Haltung beim Sitzen

Sprechen im Sitzen wirkt passiver, erzählerischer.

Im Stehen haben Sie auch viel bessere Möglichkeiten, die Hände zu benutzen.

Wenn Sie beim Sprechen auch noch laufen wirkt das sehr dynamisch. Bedenken Sie aber, dass das Umfeld hier eine besondere Bedeutung bekommt und im Kontext mit Ihrer Gesamtaussage stehen muss. Gleichzeitig lenkt der dauernd sich bewegende Hintergrund vom Inhalt ab. In den meisten Fällen wird sich das Laufen beim Sprechen zur Einleitung oder zur Überleitung in ein neues Thema anbieten.

von Poll Immobilienbewertung

Laufen beim Sprechen wirkt dynamisch. Der Context muss zum Inhalt passen.

5. Wohin mit den Händen?

Am besten, Sie benutzen Ihre Hände zum Sprechen und unterstützen durch Gesten Ihre Aussagen. Das wirkt natürlich und unterstützt die Glaubwürdigkeit und Ernsthaftigkeit Ihrer Aussagen. Wenn Sie ohne Gestik und ohne Mimik sprechen, könnte der Eindruck entstehen, dass Sie sich innerlich von den Aussagen distanzieren. Es entsteht geradezu ein Widerspruch.
Wenn das Sprechen mit den Händen nicht ihrem Naturell entspricht oder es andere Gründe wie zum Beispiel Verletzungen an Schulter und Armgelenken gibt, dann sollten Sie zumindest die Arme nicht hängen lassen, sondern leicht anwinkeln. Sie müssen nicht wie Frau Merkel eine Raute mit den Händen formen, aber Sie können die Hände zum Beispiel leicht ineinander legen. Moderatoren nutzen gerne Moderationskarten in den Händen, manchmal ist auch ein Schreibgerät das passende Mittel, den Händen Sicherheit zu geben.

Generell kann man sagen, dass alles, was der Schwerkraft entgegen wirkt, positiv für die Ausstrahlung und damit auch für die Wirkung Ihres Statements vor der Kamera ist: Aufrechtes Stehen, leuchtende Augen, ein strahlendes Lächeln und die aktiven Hände.

Hände nutzen beim Sprechen optimiert die Wirkug Ihres Statements vor der Kamera

Die Hände nutzen Sie am besten zum Sprechen. Eine angemessene Gestik unterstützt Ihre Aussagen und wirkt glaubwürdiger.

6. Soll ich direkt in die Kamera schauen?

Bei persönlichen Begrüßungen und Verabschiedungen sowie Aufforderungen oder Appellen sollten Sie grundsätzlich den Zuschauer anschauen, das heißt in die Kameralinse schauen. Das würde Sie bei einer Begegnung im realen Leben auch so machen.
Wenn Sie dabei parallel zur Kamera stehen vermittelt das den Eindruck beim Zuschauer: stopp, halt, hier stehe ich und habe etwas wichtiges zusagen. Das ist auch die Wirkung eines Türstehers: er wird sich Ihnen immer eindeutig in den Weg stellen wollen.
Wenn Sie den Oberkörper hingegen leicht drehen (ca. 15 Grad) aber mit den Augen trotzdem in die Kamera schauen wirkt die Gesamtsituation offener und einladender. Sie wirken dann wie ein Gastgeber vor der Eingangstür: Willkommen, hereinspaziert!

Der Blick in die unpersönliche und „kalte“ Linse ist für den Laien ohne Übung sehr abstrakt und vielleicht auch unangenehm. Wenn Sie ausführliche Statements haben oder längere Zusammenhänge darstellen möchten ist es viel angenehmer, Sie schauen an der Kamera vorbei zu einem realen oder fiktiven Interviewpartner. Die Idee dieser Dialogsituation ist ideal für sehr viele Arten der Präsentation vor der Kamera und entspannt die Dreharbeiten für alle Beteiligten erheblich.

Interviewsituation entspannt beim Sprechen vor der Kamera

In der Dialogsituation schauen Sie nicht in die Kamera. Das ist für den Darsteller entspannter und erwirkt meist authentischer.

Den zu sprechenden Text von einem Teleprompter abzulesen erfordert einige Übung. Allzu leicht wirken die Worte abgelesen und der Gesichtsausdruck ist zu starr und unglaubwürdig. Das freie Sprechen ist in jedem Fall die beste Wahl. Vor ihrem Auftritt können Sie das Sprechen im Spiegel üben oder nehmen Sie sich zur Selbstkontrolle mit einer Kamera oder Ihrem Smartphone auf.

Wenn Sie mehr erfahren wollen über Körpersprache und die Wirkung auf andere, dann kann ich Ihnen dieses Buch empfehlen: “Menschen lesen” von Joe Navarro.

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Chromakey in engen Räumen

Die Idee und das Prinzip des Chromakeying

Das Prinzip des Chromakeying-Verfahrens ist simpel: Die Hintergrundfarbe, meist grün oder blau, wird selektiert und durch eine neues Bild ersetzt. Wenn die Lichtstimmungen, Einstellungsgrößen und Blickwinkel zusammen passen, ist es möglich, eine perfekte Illusion zu erzeugen. Zum Beispiel, dass eine Person auf einem schneebedeckten Berggipfel steht, obwohl sie den nie betreten hat. Weitere Beispiele dazu kennen wir alle und der Einsatz für Greenscreen-Drehs geht immer mehr in die Richtung Kostenoptimierung. Es ist produktionstechnisch viel günstiger, eine oder mehrere Personen unter kontrollierten Studiobedingungen vor Grün zu drehen und sie dann in verschiedene real anmutende Orte in der Postproduktion zu integrieren als mit der kompletten Crew und Darstellern an verschiedene Drehorte zu reisen.

Soweit die Theorie.
Die Tücke liegt im Detail und bei der Umsetzung in der Praxis ergeben sich Herausforderungen, die nicht nur bei beengten Raumverhältnissen auftreten. Unsere Augen, respektive das Gehirn, achten sehr auf Details, damit das Gesamtergebnis stimmig empfunden wird. Wenn die Details unstimmig sind, wird das Gesamtbild sofort als Montage erkannt. Das kann gestalterisch gewünscht sein, ist es oft aber nicht.

Ich möchte zunächst besonderen Augenmerk auf das Beleuchten des Hintergrunds und des Vordergrunds eingehen.
Als geeignete Hintergrundfarbe zum Keyen einer Person ist in den meisten Fällen Grün optimal. Das hat mehrere Gründe:

Warum Grün und nicht Blau?

Grün ist in der natürlichen menschlichen Haut nicht enthalten und nur sehr wenige Menschen haben grüne Augen.
Grün ist als Farbe heller als blau bei gleicher Farbsättigung, so dass mehr Details innerhalb der Grüntöne von der Kamera erfasst werden können. Das Spektrum der Farbwiedergabe ist damit größer und damit auch die Genauigkeit in der Auswahl der Farbe.
Zumindest im Business-Umfeld ist grün bei Kleidung, Schmuck und Accessoires extrem selten. Blaue Hemden, Krawatten, Kostüme und Hosen sind in den Kleiderschränken deutlich häufiger zu finden.

Beleuchtung und Raumgröße

Zunächst ist es vorteilhaft, eine gleichmäßig ausgeleuchtete Fläche zu erhalten. Dazu verwendet man am besten einen grünen Stoff, der gleichmäßig ausgeleuchtet wird.
Hier fängt es schon an kompliziert zu werden. Eine gleichmäßige Ausleuchtung verlangt symmetrisch angeordnete Lichtquellen, die in einer gewissen Entfernung vom Hintergrund stehen müssen, nicht im Bild sichtbar sein sollen und nur den Hintergrund aber nicht den Vordergrund ausleuchten sollen.

Um das zu Erreichen ist bei einer Aufnahme einer Person (amerikanische Einstellung) in der Praxis ein Raumbedarf von drei bis vier Meter in der Breite und in der Tiefe erforderlich.

Zur Ausleuchtung des Vordergrunds und unter Berücksichtigung eines angemessenen Abstands der Kamera zur Person sind weitere vier Meter Raumtiefe absolutes Minimum. Als Vordergrundlicht bewährt sich im Allgemeinen ein weiches Licht, dass keine bestimmte Lichtrichtung erkennen lässt. In der Postproduktion ist man dann die Repositionierung freier.

Die Gesamthelligkeit des Hintergrundes solle einerseits nicht zu dunkel sein, um eine gute Sättigung und ein hohes Belichtungsspektrum zu haben, aber sie sollte auch nicht zu hoch sein, weil sonst das Grün zu stark in den Vordergrund reflektiert. Das Gesamtbild bekommt dann einen ungewollten Grünstich. Es ist sehr schnell festzustellen, dass gerade das Grün des Hintergrunds sich in den feinen Haaren spiegelt, sogenannter Spill, und sauberes Keying nahezu unmöglich macht.

Hilfe: Alles ist grün

Abhilfe für ungewolltes Grün an Kanten und Haaren schaffen folgende Maßnahmen:

  • die grüne Fläche so groß wie nötig aber so klein wie möglich halten. Ungenutzte Grünflächen sollten mit schwarzem Molton abdeckt werden
    den Abstand zum Hintergrund erhöhen, weil dann die Reflektion schwächer wird
    die kritischen Partien mit leichtem Spitzlicht aufhellen, um das reflektierte Grün durch weißes Licht „weg zu leuchten“

Eine Kombination aus allen Maßnahmen ist am wirkungsvollsten: Unnötige Grünflächen abdecken, den Abstand der Person zum Hintergrund erhöhen und gleichzeitig die Kanten bzw die Haare von hinten leicht aufhellen. Das bedeutet aber auch ein zusätzlicher Raumbedarf von weiteren zwei bis drei Metern.

Das Dilemma

Um zu einigermaßen brauchbaren Ergebnissen zu kommen, ist eine Raumtiefe von ca 10 Metern notwendig.
Für den mobilen Einsatz ist zu bedenken, dass der grüne Hintergrundstoff möglichst faltenfrei sein sollte. Er muss also entweder gespannt werden und ein entsprechender Spannrahmen muss aufgebaut und transportiert werden, oder der Stoff ist in sich nahezu knitterfrei, was bei Filz recht gut gegeben ist.

Weiterhin muss berücksichtigt werden, dass die Lampen für die Ausleuchtung des Hintergrunds, des Vordergrunds und fürs Spitzlicht Transportkapazitäten benötigen und im Falle von Kunstlichtleuchten erhebliche Wärme erzeugen. Von Kunstlicht ist also abzuraten. Kaltlichtquellen wie Neonröhren oder LED-Licht sind hier deutlich im Vorteil.

Mögliche Lösungen

Eine Möglichkeit zur Reduzierung des Gesamtaufwands und zur Platzersparnis ist es, den Hintergrundstoff durch einen Spezialstoff zu ersetzen, der mit „selbstleuchtendem“ Grün beschichtet ist, so dass fast keine zusätzlichen Lichtquellen zur Ausleuchtung des Hintergrundes notwendig sind. Der Stoff hat durch das Streulicht der Vordergrundbeleuchtung und eventuell leichte Aufhellung mit grünen Neonröhren genügend Helligkeit für eine gleichmäßige Reflektion.

Eine alternative Möglichkeit bietet das System von Reflecmedia. Dabei strahlt grünes LED-Licht, das als Ringlicht auf der Optik der Kamera sitzt, auf einen speziellen Hintergrundstoff und wird von diesem gerichtet reflektiert. Eine sehr geringe Lichtmenge grünes Licht reicht aus, um eine intensive Reflektion in der optischen Achse zu ermöglichen.

Reflecmedia 4k

Greenscreen Reflecmedia

Erreicht wird das durch eine spezielle Oberfläche des Hintergrundstoffes, welche aus vielen sehr kleinen halbkreisförmigen Reflektoren besteht, die das direkt aus der Kameraachse einfallende Licht bündelen und reflektieren.

Reflecmedia

Dadurch ist es möglich, dass der Vordergrund ganz klassisch ausgeleuchtet werden kann ohne die Helligkeit und Sättigung des grünen Hintergrunds zu beeinflussen. Greenscreen-Dreh ist damit im Freien bei Tageslicht möglich und die Person kann sehr nah vor dem Hintergrundstoff stehen. Die Intensität der LED-Ringleuchte lässt sich in weiten Bereichen regulieren.

  • pro:
    der Aufbau des Hintergrunds ist denkbar einfach
    kein zusätzliches Licht führte Hintergrundausleuchtung erforderlich
    die Raumbedürfnis sind ganz normal wie bei einem klassischen Dreh
    vorhandenes Licht, auch natürliches Tageslicht, kann in den meisten Fällen genutzt werden
    geringes Gewicht, kompakt
    LED-Ringlicht erzeugt keine Wärme
    im Bedarfsfall kann die grüne LED-Leuchte durch eine blaue Leuchte ersetzt werden
  • contra:
    teurer Spezialstoff, der nur in bestimmten Größen verfügbar ist.
    der Stoff ist druckempfindlich und nicht reparierbar
    spitze Gegenstände und unsachgemäße Handhabung zerstören die feinen Reflektoren im Stoff
    Zwei-Kamera-Betrieb nicht möglich, da das Grün nur in einer Achse reflektiert wird
    an Stellen außerhalb der optischen Achse, die nicht von allen LEDs gleichmäßig getroffen werden, ist die Ausleuchtung etwas ungleichmäßig und wirft leichte Schatten. Das ist zum Beispiel der Fall in den Armbeugen beim Gestikulieren. Dort entstehen „Löcher“, weil das Grün nicht gleichmäßig von allen Seiten auf den Hintergrund trifft.
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