Die Idee und das Prinzip des Chromakeying

Das Prinzip des Chromakeying-Verfahrens ist simpel: Die Hintergrundfarbe, meist grün oder blau, wird selektiert und durch eine neues Bild ersetzt. Wenn die Lichtstimmungen, Einstellungsgrößen und Blickwinkel zusammen passen, ist es möglich, eine perfekte Illusion zu erzeugen. Zum Beispiel, dass eine Person auf einem schneebedeckten Berggipfel steht, obwohl sie den nie betreten hat. Weitere Beispiele dazu kennen wir alle und der Einsatz für Greenscreen-Drehs geht immer mehr in die Richtung Kostenoptimierung. Es ist produktionstechnisch viel günstiger, eine oder mehrere Personen unter kontrollierten Studiobedingungen vor Grün zu drehen und sie dann in verschiedene real anmutende Orte in der Postproduktion zu integrieren als mit der kompletten Crew und Darstellern an verschiedene Drehorte zu reisen.

Soweit die Theorie.
Die Tücke liegt im Detail und bei der Umsetzung in der Praxis ergeben sich Herausforderungen, die nicht nur bei beengten Raumverhältnissen auftreten. Unsere Augen, respektive das Gehirn, achten sehr auf Details, damit das Gesamtergebnis stimmig empfunden wird. Wenn die Details unstimmig sind, wird das Gesamtbild sofort als Montage erkannt. Das kann gestalterisch gewünscht sein, ist es oft aber nicht.

Ich möchte zunächst besonderen Augenmerk auf das Beleuchten des Hintergrunds und des Vordergrunds eingehen.
Als geeignete Hintergrundfarbe zum Keyen einer Person ist in den meisten Fällen Grün optimal. Das hat mehrere Gründe:

Warum Grün und nicht Blau?

Grün ist in der natürlichen menschlichen Haut nicht enthalten und nur sehr wenige Menschen haben grüne Augen.
Grün ist als Farbe heller als blau bei gleicher Farbsättigung, so dass mehr Details innerhalb der Grüntöne von der Kamera erfasst werden können. Das Spektrum der Farbwiedergabe ist damit größer und damit auch die Genauigkeit in der Auswahl der Farbe.
Zumindest im Business-Umfeld ist grün bei Kleidung, Schmuck und Accessoires extrem selten. Blaue Hemden, Krawatten, Kostüme und Hosen sind in den Kleiderschränken deutlich häufiger zu finden.

Beleuchtung und Raumgröße

Zunächst ist es vorteilhaft, eine gleichmäßig ausgeleuchtete Fläche zu erhalten. Dazu verwendet man am besten einen grünen Stoff, der gleichmäßig ausgeleuchtet wird.
Hier fängt es schon an kompliziert zu werden. Eine gleichmäßige Ausleuchtung verlangt symmetrisch angeordnete Lichtquellen, die in einer gewissen Entfernung vom Hintergrund stehen müssen, nicht im Bild sichtbar sein sollen und nur den Hintergrund aber nicht den Vordergrund ausleuchten sollen.

Um das zu Erreichen ist bei einer Aufnahme einer Person (amerikanische Einstellung) in der Praxis ein Raumbedarf von drei bis vier Meter in der Breite und in der Tiefe erforderlich.

Zur Ausleuchtung des Vordergrunds und unter Berücksichtigung eines angemessenen Abstands der Kamera zur Person sind weitere vier Meter Raumtiefe absolutes Minimum. Als Vordergrundlicht bewährt sich im Allgemeinen ein weiches Licht, dass keine bestimmte Lichtrichtung erkennen lässt. In der Postproduktion ist man dann die Repositionierung freier.

Die Gesamthelligkeit des Hintergrundes solle einerseits nicht zu dunkel sein, um eine gute Sättigung und ein hohes Belichtungsspektrum zu haben, aber sie sollte auch nicht zu hoch sein, weil sonst das Grün zu stark in den Vordergrund reflektiert. Das Gesamtbild bekommt dann einen ungewollten Grünstich. Es ist sehr schnell festzustellen, dass gerade das Grün des Hintergrunds sich in den feinen Haaren spiegelt, sogenannter Spill, und sauberes Keying nahezu unmöglich macht.

Hilfe: Alles ist grün

Abhilfe für ungewolltes Grün an Kanten und Haaren schaffen folgende Maßnahmen:

  • die grüne Fläche so groß wie nötig aber so klein wie möglich halten. Ungenutzte Grünflächen sollten mit schwarzem Molton abdeckt werden
    den Abstand zum Hintergrund erhöhen, weil dann die Reflektion schwächer wird
    die kritischen Partien mit leichtem Spitzlicht aufhellen, um das reflektierte Grün durch weißes Licht „weg zu leuchten“

Eine Kombination aus allen Maßnahmen ist am wirkungsvollsten: Unnötige Grünflächen abdecken, den Abstand der Person zum Hintergrund erhöhen und gleichzeitig die Kanten bzw die Haare von hinten leicht aufhellen. Das bedeutet aber auch ein zusätzlicher Raumbedarf von weiteren zwei bis drei Metern.

Das Dilemma

Um zu einigermaßen brauchbaren Ergebnissen zu kommen, ist eine Raumtiefe von ca 10 Metern notwendig.
Für den mobilen Einsatz ist zu bedenken, dass der grüne Hintergrundstoff möglichst faltenfrei sein sollte. Er muss also entweder gespannt werden und ein entsprechender Spannrahmen muss aufgebaut und transportiert werden, oder der Stoff ist in sich nahezu knitterfrei, was bei Filz recht gut gegeben ist.

Weiterhin muss berücksichtigt werden, dass die Lampen für die Ausleuchtung des Hintergrunds, des Vordergrunds und fürs Spitzlicht Transportkapazitäten benötigen und im Falle von Kunstlichtleuchten erhebliche Wärme erzeugen. Von Kunstlicht ist also abzuraten. Kaltlichtquellen wie Neonröhren oder LED-Licht sind hier deutlich im Vorteil.

Mögliche Lösungen

Eine Möglichkeit zur Reduzierung des Gesamtaufwands und zur Platzersparnis ist es, den Hintergrundstoff durch einen Spezialstoff zu ersetzen, der mit „selbstleuchtendem“ Grün beschichtet ist, so dass fast keine zusätzlichen Lichtquellen zur Ausleuchtung des Hintergrundes notwendig sind. Der Stoff hat durch das Streulicht der Vordergrundbeleuchtung und eventuell leichte Aufhellung mit grünen Neonröhren genügend Helligkeit für eine gleichmäßige Reflektion.

Eine alternative Möglichkeit bietet das System von Reflecmedia. Dabei strahlt grünes LED-Licht, das als Ringlicht auf der Optik der Kamera sitzt, auf einen speziellen Hintergrundstoff und wird von diesem gerichtet reflektiert. Eine sehr geringe Lichtmenge grünes Licht reicht aus, um eine intensive Reflektion in der optischen Achse zu ermöglichen.

Reflecmedia 4k

Greenscreen Reflecmedia

Erreicht wird das durch eine spezielle Oberfläche des Hintergrundstoffes, welche aus vielen sehr kleinen halbkreisförmigen Reflektoren besteht, die das direkt aus der Kameraachse einfallende Licht bündelen und reflektieren.

Reflecmedia

Dadurch ist es möglich, dass der Vordergrund ganz klassisch ausgeleuchtet werden kann ohne die Helligkeit und Sättigung des grünen Hintergrunds zu beeinflussen. Greenscreen-Dreh ist damit im Freien bei Tageslicht möglich und die Person kann sehr nah vor dem Hintergrundstoff stehen. Die Intensität der LED-Ringleuchte lässt sich in weiten Bereichen regulieren.

  • pro:
    der Aufbau des Hintergrunds ist denkbar einfach
    kein zusätzliches Licht führte Hintergrundausleuchtung erforderlich
    die Raumbedürfnis sind ganz normal wie bei einem klassischen Dreh
    vorhandenes Licht, auch natürliches Tageslicht, kann in den meisten Fällen genutzt werden
    geringes Gewicht, kompakt
    LED-Ringlicht erzeugt keine Wärme
    im Bedarfsfall kann die grüne LED-Leuchte durch eine blaue Leuchte ersetzt werden
  • contra:
    teurer Spezialstoff, der nur in bestimmten Größen verfügbar ist.
    der Stoff ist druckempfindlich und nicht reparierbar
    spitze Gegenstände und unsachgemäße Handhabung zerstören die feinen Reflektoren im Stoff
    Zwei-Kamera-Betrieb nicht möglich, da das Grün nur in einer Achse reflektiert wird
    an Stellen außerhalb der optischen Achse, die nicht von allen LEDs gleichmäßig getroffen werden, ist die Ausleuchtung etwas ungleichmäßig und wirft leichte Schatten. Das ist zum Beispiel der Fall in den Armbeugen beim Gestikulieren. Dort entstehen „Löcher“, weil das Grün nicht gleichmäßig von allen Seiten auf den Hintergrund trifft.